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Einkaufsratgeber Umwelt

Lagerung von wassergefährdenden Flüssigkeiten in Umwelt- und Chemikalienschränken

Rechtliche Grundlagen, Anforderungen eines Schrankes und Leitlinien zur Lagerung: Im folgenden Ratgeber erfahren Sie, was Sie bei der Lagerung gewässergefährdender Flüssigkeiten in Umwelt- und Chemikalienschränken beachten müssen. So schützen Sie nicht nur die Umwelt, sondern auch Ihre Mitarbeiter.

Rechtliche Grundlagen

Vorschriftsmäßige Lagerung wassergefährdender Flüssigkeiten

Bei der Handhabung und Lagerung von Gefahrstoffen ist generell erhöhte Vorsicht geboten. Das gilt besonders für Flüssigkeiten, die dem Grundwasser schaden. Der Gesetzgeber schützt Mensch und Umwelt mit verschiedenen gesetzlichen Regelungen (BetrSichV1, TRbF2, GefStoffV3, WHG4, VAwS6 etc.), an die sich Betriebe halten müssen.

Wasserhaushaltsgesetz4 (WHG): Umgang mit gewässergefährdenden Stoffen

Ihr Betrieb erzeugt, lagert, behandelt, verwendet oder transportiert wassergefährdende Stoffe? Dann ist das Wasserhaushaltsgesetz für Sie relevant. Hier finden Sie eine Definition des Anwendungsbereiches und die Ziele der Vorschriften zum Wasserschutz.

Laut § 63 WHG dürfen nur solche Anlagen in Betrieb genommen werden, die spezielle Anforderungen erfüllen. Zum Beispiel kann eine behördliche Vorprüfung (Eignungsfeststellung, Bauartzulassung) vorausgesetzt sein.

Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG):

Auch das Arbeitsschutzgesetz sollten Sie kennen. Es verpflichtet den Arbeitgeber, seine Beschäftigten vor Gesundheitsschäden zu bewahren. Hier der Wortlaut zum Nachlesen:


§3 Grundpflichten des Arbeitgebers

(1) Der Arbeitgeber ist verpflichtet, die erforderlichen Maßnahmen des Arbeitsschutzes unter Berücksichtigung der Umstände zu treffen, die Sicherheit und Gesundheit der Beschäftigten bei der Arbeit beeinflussen. Er hat die Maßnahmen auf ihre Wirksamkeit zu überprüfen und erforderlichenfalls sich ändernden Gegebenheiten anzupassen. Dabei hat er eine Verbesserung von Sicherheit und Gesundheitsschutz der Beschäftigten anzustreben.

Lagerung gewässergefährdender Flüssigkeiten in Umwelt- und Chemikalienschränken ler

Aufbewahrung und Lagerung von Chemikalien

Nach § 24 Abs. 1 GefStoffV sind Gefahrstoffe so zu verwahren, dass sie weder Mensch noch Natur in Gefahr bringen. Es ist dabei Ihre Verantwortung, sinnvolle Maßnahmen gegen missbräuchlichen Umgang zu treffen.

Werden Gefahrstoffe falsch gelagert, können sie leicht untereinander oder mit harmlosen Lebensmitteln verwechselt werden. Um Unfälle auszuschließen, sollten Sie daher niemals Chemikalien gemeinsam mit anderen Stoffen aufbewahren.

Als sichere Alternative für Arbeitgeber wie Arbeitnehmer bieten sich Umwelt- und Chemikalienschränke an. Sie trennen die Gefahrstoffe eindeutig ab und verhindern Miss- oder Fehlgebrauch.

Das richtige Gefäß für jeden Stoff

Gefahrstoffe verlangen ihren Behältern viel ab. Sind diese den Belastungen nicht gewachsen, können sie undicht werden und ein Sicherheitsrisiko darstellen. Füllen Sie gefährliche Chemikalien daher nur in dezidiert für die jeweilige Chemikalie zugelassene Gefäße ab. Wenn Sie ein Originalgefäß zur Verfügung haben, sollten Sie dieses bevorzugen.

  • Vorsicht bei Kunststoffbehältern: Sie neigen bei Befüllung mit organischen Flüssigkeiten dazu, spröde zu werden, sich zu verformen oder Dämpfe austreten zu lassen.
  • Gefäße aus Aluminium sind nicht für chlor- und kohlenwasserstoffhaltige Verbindungen geeignet.
  • Starke Laugen füllen Sie am besten in Polypropylenflaschen und niemals in Glasflaschen ab.
  • Lagern Sie Gefahrstoffe nicht in Gefäßen, die eine Verwechslung mit Lebensmitteln fördern. Dies wäre z. B. bei irreführenden Formen oder Beschriftungen der Fall.
  • Gefahrstoffe, die gefährliche Gase, Dämpfe, Nebel oder Rauche entwickeln, erfordern besondere Maßnahmen. Lagern Sie diese ausschließlich in entlüfteten Schränken.

Anforderungen an die Lagerung von brennbaren und giftigen Stoffen in Sicherheitsschränken

Brennbare Flüssigkeiten müssen in speziellen Sicherheitsschränken mit hoher Feuerwiderstandsklasse aufbewahrt werden. Sollte die Entlüftung des Schrankes ausfallen und ein Brand entstehen, verhindert der Sicherheitsschrank ein Umsichgreifen der Flammen.

  • Achten Sie auf eine wirksame Entlüftung des Schranks: pro Stunde muss die Luft mindestens 10-mal komplett gewechselt werden.
  • Platzieren Sie den Sicherheitsschrank auf einer Auffangwanne aus feuerfestem Material, die mindestens den Inhalt des größten Gefäßes aufnehmen kann.
  • Der Sicherheitsschrank benötigt selbstschließende Türen, die an der Außenfront mit den Warnzeichen “Warnung vor feuergefährlichen Stoffen” und "Feuer, offenes Licht und Rauchen verboten" gekennzeichnet sind.

Anstatt eines Sicherheitsschranks können Sie für brennbare Stoffe auch einen Chemikalienschrank mit integrierter Sicherheitsbox verwenden. Diese Box weist alle sicherheitsrelevanten Merkmale eines feuerbeständigen Sicherheitsschranks auf.

Lagern Sie giftige und alle sonstigen mit T gekennzeichneten Stoffe und Zubereitungen (krebserzeugende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Stoffe oder Zubereitungen der Kategorien 1 und 2) so, dass ausschließlich berechtigtes Fachpersonal Zugang hat.

Bei allen Gefahrstoffen gilt: Nicht jeder Stoff darf mit anderen Stoffen zusammen gelagert werden. Es können unerwünschte Reaktionen auftreten, die eine sichere Lagerung beeinträchtigen. Informieren Sie sich vor der Zusammenlagerung unbedingt über die Gefahrgut- oder Lagerklassen (LGK)8.

Lagerung gewässergefährdender Flüssigkeiten in Umwelt- und Chemikalienschränken ler

Lagerung von Pflanzenschutzmitteln (PSM):

Pflanzenschutzmittel beruhen auf biologischen oder chemischen Verbindungen, die auch in geringen Konzentrationen schädlich für die Umwelt sein können. Daher muss Pflanzenschutzmittel ebenfalls sicher gelagert werden. Dazu gehört:

  • Lagern Sie Pflanzenschutzmittel nur in gut verschlossenen Originalverpackungen.
  • Stellen Sie diese Verpackungen in einen Umweltschrank, den Sie entsprechend markieren.
  • Achten Sie auf das Volumen der integrierten Auffangwanne. Die Einlegeböden des Schranks müssen 10 % der Lagermenge, mindestens aber das Volumen des größten Gebindes bzw. in einem Wasserschutzgebiet die gesamte Lagermenge auffangen können.
  • Kennzeichnen Sie den Lagerort als Pflanzenschutzmittel-Lager und warnen Sie mit der Aufschrift „Pflanzenschutzmittel – Unbefugten ist der Zutritt verboten“.
Lagerung gewässergefährdender Flüssigkeiten in Umwelt- und Chemikalienschränken ler

Beschaffenheit von Umwelt- und Chemikalienschränken:

Für vorschriftskonforme Sicherheitsschränke gelten spezielle Mindestanforderungen. Sie müssen so gebaut sein, dass die für den Schrank zugelassenen Gefahrstoffe sicher gelagert werden können, d. h. die Stoffe nicht austreten, sich nicht entzünden und nicht missbraucht werden können.

Die Spezifikationen hängen immer auch vom gelagerten Gefahrgut ab. Kaufen Sie daher nur für Ihren Gefahrstoff zugelassene Schränke. Das Material des Schranks muss den Beanspruchungen durch die Chemikalien standhalten. Bei Modellen mit Fenstern sollte Sicherheitsglas, Plexiglas oder Polycarbonat verbaut worden sein.

Optional sind Umwelt-/ Chemikalienschränke mit einer speziell nach Stahlwannenrichtlinie (StawaR) geprüften (dicht geschweißten) Auffangwanne ausgestattet. Ob Sie diese brauchen, regelt das Wasserschutzgesetz.

Säure- / Laugenschränke:

Lagern Sie Säuren und Laugen grundsätzlich getrennt. Müssen Sie Säuren und Laugen aufgrund der Gegebenheiten in einem Schrank aufbewahren, platzieren Sie sie in zwei getrennten, sauber gekennzeichneten Bereichen des Schranks. Schaffen Sie eine größtmögliche räumliche Distanz zwischen den Stoffen und entlüften Sie den Schrank dauerhaft. Säure-/Laugenschränke müssen mit korrosionsbeständigen Wannen ausgestattet sein.

Fußnoten:

1) Die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) regelt in Deutschland die Bereitstellung von Arbeitsmitteln durch den Arbeitgeber, die Benutzung von Arbeitsmitteln durch die Beschäftigten bei der Arbeit sowie den Betrieb von überwachungsbedürftigen Anlagen im Sinne des Arbeitsschutzes.

2)
Technische Regeln sind Empfehlungen und technische Vorschläge, die einen Weg zur Einhaltung eines Gesetzes, einer Verordnung, eines technischen Ablaufes usw. empfehlen. Sie sind keine Rechtsnormen und haben damit auch nicht zwangsläufig den Charakter von gesetzlichen Vorschriften. Technische Regeln können jedoch Gesetzeskraft erhalten, z. B. durch bauaufsichtliche Einführung im Rahmen von Technischen Baubestimmungen.


3) Die
Gefahrstoffverordnung (GefStoffV) ist eine Verordnung zum Schutz vor gefährlichen Stoffen im deutschen Arbeitsschutz.

4) Das
Wasserhaushaltsgesetz (WHG) bildet den Hauptteil des deutschen Wasserrechts. Das WHG enthält Bestimmungen über den Schutz und die Nutzung von Oberflächengewässern und des Grundwassers, außerdem Vorschriften über den Ausbau von Gewässern und die wasserwirtschaftliche Planung sowie den Hochwasserschutz.

5) Das
Arbeitsschutzgesetz (ArbSchG): ist ein Gesetz über die Durchführung von Maßnahmen des Arbeitsschutzes zur Verbesserung der Sicherheit und des Gesundheitsschutzes der Beschäftigten bei der Arbeit.

6)
VAwS (Verordnung), Landesverordnung über Anlagen zum Umgang mit wassergefährdenden Stoffen

7)
§ 13 Vorschriften für die Einschränkung der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln

(1) Pflanzenschutzmittel dürfen nicht angewandt werden, soweit der Anwender damit rechnen muss, dass ihre Anwendung im Einzelfall

schädliche Auswirkungen auf die Gesundheit von Mensch oder Tier oder auf das Grundwasser oder

sonstige erhebliche schädliche Auswirkungen, insbesondere auf den Naturhaushalt haben.

8)
LGK, Lagerklassen: Die Lagerklassen orientieren sich an den Vorschriften des Gefahrstoffrechtes, die Klasseneinteilung wurde in Anlehnung an das Gefahrgutrecht gebildet.

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